Winterzauber – rosa angehaucht…

Du siehst das Coverfoto von meinem Aquarell Schritt-Anleitung-Artikel Winterzauber Winterzauber, Aquarell, 40 x 60 cm, Dodo Kresse

Winterzauber: Staunen, taumeln, von Schönheit berühren lassen

Die Welt im Schnee. Laß uns
die schönste Aussicht suchen gehn,
bis wir taumeln, fallen.

Dieses Haiku ist von Matsuo Basho, einem der berühmtesten Dichter Japans. Ist das Aquarell nicht die malerische Schwester des Haiku? Genauso zart, fragil, hingehaucht. Genauso ein stilles Ergriffensein von einem Schauspiel der Natur, gleichgültig ob groß in der Dimension oder klein wie eine Schnecke im Gras. Um den verträumten Winterzauber richtig einzufangen, ist das Malen ideal! Angeleitet von Ingrid Buchthal, einer der größten Aquarellmalerinnen des Landes, möchte ich heute wieder ein Aquarell einer Winterlandschaft mit einigen Step-Fotos vorstellen. So lasst uns also die schönste Aussicht suchen, bis wir taumeln und fallen.

du siehst wie ich den Trick mit dem Taschentuch mache
Der Trick mit dem Taschentuch: mit etwas Übung gelingt’s!

Schritt 1: Papier aufleimen und Waldhintergrund malen

Wie entsteht eine Winterlandschaft? Ein Bogen Ingres-Papier mit 70 oder 100 gramm mit Tapetenkleister auf eine dünne Holzplatte aufleimen und am besten über Nacht trocknen lassen. (Zumindest bis das Papier ganz trocken ist, das dauert schon!) Ihr könnt natürlich auch auf anderen Aquarellpapieren malen, die meisten muss man jedoch wirklich aufziehen, da sie sich sonst zu stark wellen würden, sobald sie naß werden. Und damit geht es jetzt schon los.

Ich habe hier die Wintersonne mit einem Klebepunkt abgedeckt, den ich erst nachdem alles trocken ist, abziehe. Du kannst auch Maskierflüssigkeit nehmen oder ganz auf die Sonne verzichten.

Dann zeichnen wir eine Horizontlinie, am besten im oberen Drittel des Blattes und streichen mit einem breiten Pinsel diese obere Flächel mit Wasser ein. Immer in dieselbe Richtung, weil sich die feinen Härchen des Papiers möglichst nicht allzu sehr aufregen sollen.

Ultramarinblau und Siena gebrannt, ein unschlagbares Pärchen!

Dann beginnt ihr mit dem Anlegen des Waldes im Hintergrund. (Siehe mein letzter Blogpost „Der Atem des Januar“) Wieder mit dem wunderfeinen Ultramarinblau, am besten von Schmincke oder einer ähnlichen hochwertigen Marke. Mischt es in einem kleinen Plastikbecher mit Siena gebrannt und Wasser, bis ihr die richtige Farbe erwischt habt. Woher ihr das wißt? Immer wieder kleine Pinselstriche auf einem Probeblatt machen und abwarten, wie diese Farbmischung auftrocknet. Es ist sehr wichtig, dass dieses Probeblatt ganz genau gleich wie euer Malblatt ist. Denn nur dann erkennt ihr das richtige Malverhalten der Farbe. Und manchmal ist das Probeblatt so interessant, dass es sich eher empfiehlt, dieses einzurahmen, als das verkrampft angepeilte Super-Aquarell. Wie Ingrid während des Malkurses immer wieder betonte, haben wir verlernt, zu spielen. Da hat sie wohl recht. Wir sind oft viel zu fokussiert und ergebnisorientiert und nehmen der Aquarellfarbe damit die Lust am unkontrollierten Fluß.

Winterzauber – der Wald wächst

Jetzt wird die Ultramarinblau-Siena-gebrannt-Farbmischung mit einem breiten Pinsel in die feuchte Fläche von der Horizontlinie ausgehend eingetropft. Die Malplatte vorsichtig hin und herschwenken und der Farbe beim Fließen zusehen. Geniale Meditationsübung! Wenn die Farbe ein kleines bisschen eingesickert ist, aber noch feucht, mit einem Taschentuch von oben langsam nach unten tupfen (siehe Bild oben). So entstehen die Baumkronen. Durch den Granuliereffekt des Ultramarinblaus entsteht der diffuse Eindruck von Ästen und Blattwerk, ganz so wie wir es von einer zauberhaften Winterlandschaft kennen. Und das Bild malt sich wie von selbst!

Du siehst eine Schrittanleitung für das Aquarellbild Winterzauber
Hier siehst du, wie das Bild langsam entsteht

Schritt 2: Gräser und Bäume geduldig und mit sanfter Hand malen

Sobald der Wald im Hintergrund getrocknet ist, können die ersten Gräser eingezeichnet werden. (Ich verwende dazu wieder den Buchthal-Pinsel, er eignet sich nicht nur für größerer Flächen, sondern sogar für winzige Halme!) Wichtig ist dabei, den Pinsel ganz weit vor zu halten, als würde man mit einem Buntstift zeichnen. Nach den Gräser-Zeilen malt ihr die winterkahlen Bäume. Wieder mit derselben Farbmischung. Darauf achten, dass keine Schlangen-Stämme entstehen, sondern echte knorrige Bäume.

hier siehst du wie ich die Äste der Bäume mit siena gebrannt male
Durch Kleckse Raum lassen für die Fantasie des Betrachters

Schritt 3: Verfeinerungen und Schatten

Die Schatten des Winterzauber – Bildes zu setzen, ist eine knifflige Angelegenheit. Entweder ihr seht euch euer Foto sehr genau an oder ihr benützt die geometrischen Regeln der Perspektive. Haltet euch einfach an die Zentralperspektive und legt die Schatten danach aus. Gut erklärt wird das zum Beispiel in diesem Video hier. Ich werde mir da auch noch einiges anlernen müssen, denn meine Schatten sind nicht so perfekt geworden, wie ich sie gerne gehabt hätte. Aber was liegt, das pickt! So ist das beim Aquarell. Für die Farbe des Schattens habe ich wieder die eingangs erwähnte Mischung aus Ultramarin und Siena verwendet. Danach könnt ihr auf die Schatten der Gräserzeilen malen und noch ein paar gelbe Lichtreflexe setzen.

Hier siehst du das aufkaschierte Aquarell
Beim Abziehen des fertigen Bildes „Winterzauber“ das Papier FLACH halten

Rosa Hauch

Um den rosa angehauchten Schneehügel im Vordergrund zu erhalten, habe ich gleich nach dem Anlegen des Hintergrund-Waldes die untere Bildhälfte mit reinem Wasser eingepinselt und etwas Kadmiumrot einfließen lassen. Dann wird die Malplatte hin und hergeschwenkt und das Farbwasser abrinnen lassen, bis nur mehr ein ganz sanfter Farbverlauf übrig bleibt. Das muss man einfach mutig üben. Am besten auf Probeblättern, die aber unbedingt aufkaschiert sein müssen, damit sich das Papier nicht wellt.

Völlig losgelöst

Erst wenn alles staubtrocken ist, könnt ihr das Papier vorsichtig ablösen. Wenn es sich nicht gleich lösen will, einfach ein feuchtes, altes Handtuch drauflegen und in einem Plastiksack ein paar Stunden liegen lassen. Dann sollte das prima funktionieren! (Natürlich wieder ein Profitipp von Ingrid! Danke!)

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