Mixed-Media: ein mystisches Bergpanorama mit Acrylfarben malen

Cover des Blogartikel Mixed-media

Bring die Berge zum Tanzen!

Mixed-Media: In diesem Blogartikel lade ich dich ein, gemeinsam mit mir die Magie des Mischens von realistischer und abstrakter Malerei zu entdecken und einzigartige Berglandschaften zu schaffen. Tauche ein in ein Spiel aus Formen, Farben und Texturen. Lass uns die Regeln brechen, die Berge zum Tanzen bringen und lass uns ein außergewöhnliches Kunstwerk schaffen, das die Schönheit der Natur widerspiegelt.

Vorbereitung – was du benötigst:

  1. Leinwand, 100 x 80 cm, am besten bereits vorgrundiert.
  2. Acrylfarben. Für Berglandschaften empfehlen sich alle Braun und Ockertöne und Grautöne, dazu natürlich Weiß und Schwarz. Ich habe hier das wunderbare Van-Dyck-Braun und Kobalttürkis, beides von Schmincke, verwendet. Dazu noch: Schiefergrau, Krapp Dunkel und Lichter Ocker.
  3. Bitumenflüssigkeit
  4. Modellierpaste – extra rau
  5. Weiche Haarpinsel mit einer Breite von 4, 6 und 10 cm.
  6. Weiße und gelbe Pastellkreide
  7. Spachtel aus Kunststoff
  8. Mischpalette aus Kunststoff
  9. Kleine Gefäße aus Plastik für das Anmischen von Acrylfarben
  10. Eine Sprühflasche mit Wasser
  11. Wasserbehälter
  12. Schutzkleidung: ein altes T-Shirt oder ähnliches. Es ist wichtig, dass du dir keine Gedanken machen musst, ob deine Kleidung schmutzig wird. Alle Konzentration soll auf dem Malprozess liegen.
  13. Arbeitsbereich: am besten mit einer Plastikplane oder Malerfilz (gibts im Baumarkt) abdecken.
  14. Inspiration: jede Menge Bilder von Berglandschaften aus dem Internet oder sonstwo.

Grundieren des Mixed-Media-Kunstwerks

Auch wenn die Leinwand bereits vorgrundiert ist, empfiehlt es sich doch, sie nochmals mit weißem Gesso einzustreichen. Die anschließende Bemalung geht dann leichter vonstatten und die Farben werden satter und tiefer.

Vorgrundierte Leinwand
Meine Leinwand heißt „Henry“, ist aus Baumwolle und bei Bösner zu haben.
Gesso in Weiß
Weißes Gesso

Erste Farbschichten

Nachdem das Gesso gründlich getrocknet ist, kannst du mit den ersten Farbschichten des Mixed-Media-Kunstwerks beginnen. Ich habe zuallererst einen satten Auftrag mit Van-Dyck-Braun gewagt. Abgeschaut habe ich mir das von der talentierten Malerin Eftichia Schlamadinger. (Danke dafür!)

Mixed-Media erster Farblayer

Dann folgen die weiteren Schichten in verschiedenen Abstufungen von Braun, Ocker und Weiß. Ich habe ohne Vorzeichnung losgelegt, mit einer ungefähren Idee im Kopf. Du kannst natürlich vorzeichnen – nach einem Foto, das dir gefällt. Mische die Farben auf deiner Palette oder in kleinen Gefäßen. Wenn du relativ viel Farbe anmischt, dann ist es gut, sie in kleinen Plastikbechern mit Deckel aufzubewahren. So kannst du am nächsten Tag weitermalen und musst keine Farbe entsorgen. (Acrylfarben hoher Qualität sind kostspielig, aber es lohnt sich!)

Detail Mixed-media Berge
Hier siehst du bereits viele Farbschichten aufeinander.

Mixed-Media und meine Ausrüstung

Ich verwende unterschiedlichste Acrylfarben. Für bestimmte Situationen verwende ich nur das beste vom besten, also Schmincke Artists‘ Acryl oder Akademie Colour, aber für andere Themen auch gerne billigere Farben. Am besten, du testest dich durch und probierst auch mal teurere Farben, zunächst eben in kleineren Tuben. Unerreicht wunderbar ist beispielsweise das Kobalttürkis von Schmincke, so satt und tief wie ein schillerndes Tropenmeer. Diesen Farbton konnte ich nicht durch Mischen erzeugen. Desgleichen das Vandyckbraun von Schmincke, so tief, so zartbitterschokoladig. Köstlich! Die Ocker-Farbe scheint mir auch von günstigeren Marken erwerbbar, ohne dass man einen großen Unterschied bemerken würde.

Meine Acrylfarben
Meine Acrylfarben: Vandyckbraun, Schiefergrau, Schwarz, Weiß, Lichter Ocker, Kobalttürkis, Krapp dunkel.
Gefäße
Meine Farbgefäße
Kunststoff-Palette
Meine Palette
Pinsel
Die grünstieligen Pinsel sind perfekt: nicht zu teuer und butterweich (auch bei Bösner)

Leere deinen Kopf

Ich versuche, während der ersten Malschichten nicht allzuviel zu denken. Sondern ich lasse mich zusammen mit dem Pinsel treiben. Am liebsten mit ein bisschen Klaviermusik, das lockert meinen Geist und meine Hände. Doch sobald sich aus den unterschiedlichen Farbregionen in meinem Bild etwas Realistisches bildet, also Bergkuppen, Gipfel, Klüfte oder Täler entstehen, beginne ich ein wenig mit dem Verstand in den Fortschritt der Malerei einzugreifen: wo fällt das Licht hin, wo liegen daher die Schatten? Das sind die wichtigsten Fragen, die beantwortet werden wollen. Denn wenn die Schatten nicht richtig liegen, löst das im Betrachter ein unangenehmes Gefühl der Irritation aus, das Bild wirkt dann unstimmig.

mit Kreide markieren
Hier siehst du die markanten Linien mit weißer Pastellkreide

Es hat sich als ideal erwiesen, für diese Bestimmungen (Wo sind die Fall-Linien? Von welcher Seite kommt das Licht? Wo bilden sich Täler?) ein Stück Pastellkreide zu verwenden. Erstens sehen diese Linien in deinem Kunstwerk megacool aus, zweitens kannst du sie, sollten sie falsch sein, einfach löschen, indem du sie vom Bild wischt. Natürlich funktioniert das nur, wenn die Acrylfarbe bereits getrocknet ist.

Meide Regelmäßigkeit

Das heißt: versuche, sonnenbeschienene Berggipfel nicht allzu regelmäßig nebeneinander zu setzen. Denn das kommt so in der Natur nicht vor. Wie du an dem Foto unten sehen kannst, sind die beiden rechten schneebedeckten Gipfel fast schon zu gleich, im Abstand und in der Größe und Farbe zu ähnlich. Dadurch, dass sich diese Bergkette nach links hin sehr unregelmäßig fortsetzt, wird diese Regelmäßigkeit aufgebrochen und so wirkt diese Bergkette noch halbwegs realistisch. Die Farbtupfen in lichtem Ocker auf dem mittleren Berggipfel tragen ebenfalls zur Unterscheidung bei. Achte darauf, nicht zu detailliert zu werden. Verwende für solche Berggipfel am besten einen Pinsel mit etwa 2 bis 3 cm Breite und setze die weiße Farbe für die beleuchteten Schneeflecken sehr rasch und mutig auf die schlammfarbene Bergkette im Hintergrund. Und mutig kannst du ruhig sein, denn du kannst ja alle Fehler wieder übermalen. Das ist der größte Vorteil der Acrylfarbe im Gegensatz zu den Aquarellfarben

Gipelleuchten
Kleine und größere Farbregionen abwechseln

Der Beginn von Mixed-Media

Eigentlich ist verdünnte Acrylfarbe ja immer noch Acrylfarbe, aber dennoch scheint es mir möglich, sie bereits als „anderes“ Medium zu betrachten. Daher fangen wir nun mit Mixed-Media an. Gib ein wenig Acrylfarbe (hier das Vandyckbraun) in ein kleines Plastik- oder Glasgefäß und sprühe mit einer Sprühflasche etwas Wasser hinein. Dann mischt du es wie ein kleines Süppchen, bis es die richtige Konsistenz hat. Also sehr flüssig sollte es sein, damit du es gut „schütten“ kannst. Trau dich einfach. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Nimm anfangs zwei oder drei Farbmischungen und lasse sie auf die getrocknete Acrylfarbe fließen. Ob du eine zentrale, abstrakte Schüttung erzeugst oder sie lieber mehr in die linke oder rechte Ecke des Bildes platzieren willst, bleibt ganz dir überlassen. Ich habe sie mittig platziert, um eine Art „fließende Geröllhalde“ zu imitieren. Anschließend kippst du die Leinwand, sodass die Farben ineinanderfließen. Betrachte den Fließvorgang mit Ruhe und Konzentration, manchmal wirst du eingreifen, weil dir das entstehende Muster nicht gefällt, manchmal wirst du der Natur ihren Lauf lassen. Lass die Dinge geschehen. Wichtig ist, dass du vorher ein großes, altes Badetuch auf den Maltisch legst, denn die Farben werden heftig fließen.

Mixed-Media Kunstwerk mit Schüttung
Lass es fließen!

Wilde Feuchtgebiete im Mixed-Media-Gebirge

Hier siehst du, wie die erste cremefarbene Acrylmischung aufgegossen wird, danach die weiße und die ganz dunkle und die gold schimmernde. Das untere Bild zeigt auf der linken und rechten Ecke das Ergebnis des Aufspachtelns der Modelliermasse „extra rau“.

Detail 4
Strukturen mittel Modellierpaste erzeugen

Hier siehst du am obigen Foto, wie ich den Himmel gemalt habe. Über eine Grundierung mit Vandyckbraun zog ich weitere Farbschichten mit Mischungen aus Weiß, Schiefergrau und Braun. Über dem linken Gipfel zog ich eine sachte Schliere in einem zarten Blau, vermengt mit Weiß. Ich wollte einen möglichst ruhigen Himmel, um die gewollte Unruhe in der Bildmitte auszugleichen.

Impressionen

Spannende Protagonisten im Mixed-Media-Karussel

Für faszinierende Strukturen sorgst du mit einer Modellierpaste, die raue Felsplatten imitiert. Du trägst sie ganz einfach mit einer Kunststoffspachtel auf. Die Bitumenflüssigkeit von Lamour habe ich bereits im vorigen Blogartikel „Wie malt man Berglandschaften?“ eingehend beschrieben. Ich habe sie auch hier wieder eingesetzt. Bitumenflüssigkeit kann tolle Effekte in einem Berggemälde erzeugen. Indem man es auf verschiedene Bereiche der Berglandschaft aufträgt, kann man den Eindruck von Schatten, Schmutz und Gesteinsformationen erzeugen. Aber wie bei jedem Kunstprojekt ist es wichtig, sicherzustellen, dass man die Materialien richtig verwendet und Vorsichtsmaßnahmen trifft, um Unfälle zu vermeiden. Mit ein wenig Übung und Experimentierfreude kann Bitumenflüssigkeit eine großartige Ergänzung für dein Berggemälde sein und deinen Kunstwerken eine interessante, texturierte Dimension verleihen. Achte auf gute Belüftung und verwende sie sehr sparsam.

Letzte Korrekturen

Am unteren Foto kannst du erkennen, dass ich die getrocknete Modelliermasse mit hellbrauner Acrylfarbe abgesoftet habe, um etwas mehr Harmonie zu erzielen.

Cover des Blogartikel Mixed-media
Mockup Mixed-Media über Sofalandschaft

Abstrakt und realistisch mischen – warum Mixed-Media?

Ich weiß, ich weiß – die Diskussion darüber, ob man abstrakte und realistische Bildinhalte mischen sollte, kann ein bisschen kontrovers sein. Aber hey, warum sich für nur eine Sache entscheiden, wenn man das Beste aus beiden Welten haben kann?

Erstens, das Hinzufügen von abstrakten Elementen kann deinem realistischen Kunstwerk eine interessante visuelle Spannung verleihen. Es kann eine Art „WOW“-Faktor hinzufügen, der das Auge des Betrachters auf das Bild zieht und ihn zum Nachdenken anregt.

Zweitens gibt es keine Regeln! Kunst ist ein kreatives Ventil und du solltest keine Angst haben, neue Dinge auszuprobieren und deinen eigenen Stil zu entwickeln. Wer sagt denn, dass ein realistisches Landschaftsbild nicht auch Platz für ein paar abstrakte Farbkleckse hat?

Und drittens, warum sollten wir uns auf nur eine Sache beschränken? Das Leben selbst ist ein Mix aus Realität und Abstraktion – warum sollten wir also nicht auch in unseren Kunstwerken diese Vielseitigkeit zeigen?

Also lass dich nicht von den Traditionalisten einschüchtern. Experimentiere mit verschiedenen Stilen und Techniken und mische deine abstrakten und realistischen Elemente, um ein einzigartiges und dynamisches Kunstwerk zu schaffen, das die Augen deiner Betrachter zum Leuchten bringt.

Ich hoffe, du hast so richtig Lust bekommen, auch ein Mixed-Media Kunstwerk zu erschaffen.

Stay creative,

Deine Dodo