Im Licht baden: Aquarell

Du siehst das fertoge Aquarell Sonnenaufgang am Weiher IM LICHT BADEN, 2019, Aquarell auf Papier, 40 x 50 cm

Sonnenaufgang voller Licht und das richtige Aquarell Papier

Malen mit Licht! Wenn mich jemand nach der begnadetsten Malerin fragt, weiß ich die Antwort sofort: die Sonne! Wenn Sie mit ihren zarten Strahlen die Teiche und Seen erhellt, füllt sich alles mit goldenem Leben. Und wir können nur schauen – und staunen. Und ganz still werden. Generationen von Malern und Malerinnen haben sich darin geübt, das Licht auf Papier zu bannen. Es bleibt eine der lohnendsten Übungen. Daher auch heute ein Versuch, die Morgenstimmung am See mit Licht und Aquarell einzufangen. Nach einem Tutorial von Harusaki wagte ich mich nun auch an diese Mutprobe. Hier seht ihr die detaillierte Schritt-Anleitung. Großartiger Tipp von Harusaki: die Sonne mit einfachem Klebe-Punkt abkleben (erspart das Masking Fluid) und die Blätter an den Bäumen mit zusammengeknülltem Nylon tupfen. Damit wird die Übung beinahe gelingsicher! 😉

Schritt 1: Aquarell Papier fixieren

Zuallererst das Aquarell Papier mit einem Tesaband fixieren. Nehmt ruhig ein ganz normales Tesakrepp oder auch ein 40 mm Nassklebeband aus dem Künstlerbedarf. Das hält am besten. Beim Papier seid so verschwendungslustig wie Marlene Dietrich. Wenn es was sein soll, dann kostet es auch was, flötete sie durch die Nacht. Was Marlene auf die abendlichen Abenteuer bezog, soll uns für das Papier tagsüber auch nur recht und billig, äh, teuer sein! „Günstiges“ Aquarellpapier gibt es eigentlich gar nicht. Punktum. Nur auf bestem Papier verfließen die Farben in wunderbaren Schattierungen. Billiges Papier lässt sie matt, plump und leblos wirken. We hate this!

Aquarell Papier aufziehen wie ein Profi?

Wenn du dir einen Gefallen tun willst, dann befeuchte das Papier vorher auf der Rückseite (die etwas glatter ist) mit einem mäßig feuchten Schwamm und klebe sie dann mit einem Aquarellklebeband auf eine Holzplatte. Das Papier zieht sich während des Trocknens zusammen. Wenn du nachher mit viel Wasser  malst, wird sich das Papier zwar kurz wellen, aber danach wieder bügelglatt auftrocknen. Die Mühe lohnt sich!

Du siehst das leere Aquarell Papier mit Tesa aufgespannt
Aquarell-Papier aufspannen und eine Horizontlinie mit Bleistift gaaaanz dünn einzeichnen

Schritt 2: Alles herrichten

Aquarell ist nichts für Chaoten. Die Bilder wollen gut geplant sein. Richtet euch die Pinsel, die ihr verwenden wollt, rechtzeitig her. So wie auch 2 (!) Wassergläser, so groß wie möglich. Meine sind Einkilo-Vorratsgläser von Ikea 😉 Zwei Gläser sind günstiger: tauche in das erste Glas zum Auswaschen ein und danach in das saubere Wasser im zweiten Glas, um den letzten Rest Farbe loszuwerden. So hast du (fast) immer sauberes Wasser. Wenn es dennoch eintrübt, dann das Wasser wechseln. Für die fünf Farben, die ich bei diesem Bild verwendet habe, dienen mir kleine Plastik-Schüsselchen als Farbtöpfe. Unten (rechts) siehst du ein Bild davon. Auch diese (ausnahmsweise kostengünstige) Anschaffung lohnt sich.

Pinsel & Farbe:

Hier siehst du die Pinsel, die ich verwendet habe: Schwertpinsel aus Nylon, Tuschepinsel mit Fehhaar, großer Pinsel mit Kunsthaar. Die Farben Indischgelb, Kadmiumorange und Chinacridon violett, Vandyke braun und Siena gebrannt harmonieren untereinander wunderbar. Sie sind prädestiniert für Landschaftsbilder wie dieses. Anstelle von hartem Schwarz verwende ich lieber ein sehr dunkles Braun. (Der ganz schmale Marderhaarpinsel, den ich für die Baumstämme verwendet habe, hat sich versteckt, er wollte nicht mit aufs Foto – manche sind eben fotoscheu 😉

Schritt 3: Das Aquarell beginnen

Wenn ihr euch alles hergerichtet habt, also auch

  1. Malfetzerl,
  2. Wattestäbchen und
  3. einen Wasser-Pumpspray,
    dann könnt ihr die Farben in den Näpfchen vorbereiten.

Danach wird das Papier mit Wasser befeuchtet (Spray und/oder breiter Pinsel) und die ersten Farben landen auf dem Papier. Wie du auf dem unteren Bild erkennen kannst, habe ich rund um den Klebepunkt (der am besten im Goldenen Schnitt geklebt wird) das Indischgelb aufgebracht und kreisförmig drumrum das Kadmiumorange. Das hellste Gebiet wird auch am Ende rund um die Sonne sein.

die ersten Aquarell Lasuren werden in gelb und orange gesetzt
Kadmiumorange und Indischgelb

Schritt 4: Wie man es dreht und wendet

Zu Beginn erscheinen die Farb-Partien ja noch recht unspektakulär. Doch mit der Zeit wirst du Lasur auf Lasur legen und das Bild wie aus dem Nichts entwickeln. Geduld heißt das Zauberwort. 😉

Kadmiumorange und Gelb verfließen auf dem Blatt
Die abfließende Farbe mit einem Malfetzerl auffangen
du siehst wie ich die Lasuren von Gelb und Orange ineinander male
Rasches Arbeiten ist hier wichtig!
hier siehst du chinacridon violett für die schattigen Flächen
Chinacridon Violett als harmonischer Partner zum Kadmiumorange

Hier unten siehst du, wie ich, nachdem ich das Chinacridon violett rechts und links unten verteilt habe, mit einem Pump-Spray Wasser auf das Aquarell Papier sprühe. Dadurch „schwimmen“ die Pigmente nach unten. Durch häufiges Drehen der Malplatte kann ich nun die Farben dahin „dirigieren“, wo ich sie haben will. Es ist also eine Art kontrolliertes Dahin-Eiern. 😉

hier siehst du wie ich mit einem Spray Wasser auf das Aquarell Papier sprühe - es werde Licht!
Mit Wasser alles im Fluss halten!

Schritt 5: Zeit für eine Tasse Earl Grey

Jetzt wird das Bild erst einmal zum Trocknen liegen gelassen. Ihr könnt auch einen Föhn verwenden, wenn ihr es eilig habt. Dann wäre allerdings eine Bleistift-Skizze die clevere Alternative. 😉 Am besten ihr trinkt mal in aller Ruhe eine schöne Tasse Tee oder eine heiße Schokolade oder auch ein Glas Rotwein, sollte es schon Abend sein. 😉

TIPP: Wann ist das Bild trocken genug für die nächste Lasur? Ganz einfach: greift mit der flachen Hand auf die Bildfläche – fühlt sie sich noch kühl an, ist das Bild noch zu feucht. Trocken = warm! 🙂

Licht Aquarell zum Trocknen aufgelegt
Hier siehst du die Bleistift-Horizont-Linie durch die Lasur in Violett und Gelb-Orange hindurchschimmern.

Schritt 6: Der Trick mit der Klarsichtfolie

Ich hab’s mit Alufolie, Butterbrotpapier und Papier probiert, aber nichts eignet sich so super für diesen Aquarell-Trick wie ganz gewöhnliche Klarsichtfolie. (Wer Nerven sparen will, besorgt sich jene, die waagrecht einreißt!) Einfach ein Stück abreißen und zusammenwurschteln (siehe unteres Bild). Dann tunkst du das Teil in das Farbwasser-Näpfchen (Siena gebrannt) und tupfst damit die „Blätter“ der Bäume auf das Papier. Hier siehst du die Abfolge:

hier sieht du die Klarsichtfolie
Klarsichtfolie aus der Speisekammer 🙂
hier siehst du wie ich die Folie zum Ball rolle
Die Klarsichtfolie zusammenrollen
hier siehst du wie ich in die Farbe eintauche
Dann in die Farbe tauchen
Hier siehst du den ersten Schritt der Baumkrone
Und sanft auftupfen, um die Blätter der Bäume zu imitieren.
Hier erkennst du, wie die Bäume aufgetupft werden.
Geduldig weitertupfen…
du siehst, wie die Baumkrone des Aquarell entsteht
Der Baum wächst

Schritt 7: Die Baumstämme

Mit Chinacridon violett und einem dünnen Haarpinsel malst du nun die Baumstämme zwischen die Blatt-Büschel. Versuche sie nicht allzu schlangenartig zu malen, sondern ein paar krumme Äste dazu zu malen. Das verstärkt den realistischen Eindruck. Danach wird wieder mit dem Folien-Quastel gestupft. Diesmal mit einem dunkleren Vandyke-Braun. Mit einem dicken Pinsel bringst du unregelmäßige Farbtupfer in Vandyke-Braun als Hecke entlang des Ufers auf. Dazu kommt dann noch eine Lasur mit dem Tupfer in hellem Gelb links entlang der Bäume, wo das Licht hinfällt und ein bisschen Violett in den Baumkronen. Achte darauf, dass du genügend Abstand zwischen den „Blättern“ lässt, damit das Licht des Aquarell noch leuchten kann.

du siehst wie ich die Baumstämme male
Danach die Baumstämme
du siehst wie ich die nächste Lasur Licht auf das Aquarell tupfe
Die nächste Lasur tupfen!
du siehst wie ich mit Dunkelbraun die Schatten des Ufers male
Die Uferzeile mit Dunkelbraun malen

Schritt 8: Die Magie des linken Ufers

Das rive gauche kommt als nächstes dran. Hier seht ihr, wie ich nach den ersten siena-farbenen Baumkronen nun die Baumstämme mit einem sehr feinen Pinsel einzeichne. Die Horizontlinie dient als Grenze. Denn ab dort zeichne ich die Stämme als Spiegelung im Wasser weiter – nun eben spiegelverkehrt. Wie ihr sehen könnt, ist das rechte Ufer bereits trocken und zeigt die wunderbar aufgetrockneten Aquarell-Lasuren. Licht und Aquarell – Geschwister, die einander lieben!

du siehst wie ich die erstsen Bäume und deren Äste an linken Ufer zeichne
Spiegelungen im Licht des Aquarell

So wie beim rechten Ufer verfahrt ihr auch beim linken. Achtet darauf, dass ihr die Baumkronen nicht zu dicht aneinander setzt, um ein „Verschwimmen“ zu vermeiden. Sonst habt ihr in kürzester Zeit einen dunkelbraun matschigen Fleck anstelle von zart verlaufenden Farbflächen. Geduld und Übung führen zur „Erleuchtung“ :-)).

du siehst ein detail des aquarell im licht baden
Die Baumkronen spiegeln sich im violetten Schatten des Wassers

Bei diesem Aquarell  Im Licht baden  hatte ich etwa fünf längere Trocken-Phasen zwischen den einzelnen Lasuren.

Am Schluss den Klebepunkt und die Klebestreifen entfernen und alles gut trocknen lassen. Es gibt von diesem Bild auch ein Video-Tutorial, das ich bald auf Youtube stellen und auch hier verlinken werden – bitte um ein wenig Geduld. 😉

Happy painting & viel Freude bei eurem Licht-Malen,

Eure Dodo

Du siehst das fertoge Aquarell Sonnenaufgang am Weiher
IM LICHT BADEN, 2019, Aquarell auf Papier, 40 x 50 cm